Falsche Angaben über das Rauchen machen Lebensversicherung unwirksam

In einem Urteil des Landgericht Coburg (Aktenzeichen: 11 O 220/06) vom 18.10.2006 ist klar entschieden worden: Ein Raucher, der den “Nichtraucher-Tarif” abschließt, täuscht arglistig. Der Sohn einer an Lungenkrebs gestorbenen Raucherin beanspruchte von einem Lebensversicherer die Versicherungssumme von ca. 26.000 €. Das Gericht wies die Klage ab. Begründet wurde das Urteil damit, dass die Mutter des Klägers beim Vertragsabschluss bewußt gelogen hat, um sich einen günstigeren Tarif zu erschleichen.Ende 2003 schloss die Mutter des späteren Klägers bei der Beklagten eine Lebensversicherung nach dem Tarif “Nichtraucher” ab. Die im Antragsformular gestellte Frage nach Tabakkonsum in den letzten zwei Jahren hatte sie verneint. Als Bezugsberechtigten benannte die Frau ihren Sohn. Ein halbes Jahr später diagnostizierte man bei ihr ein Bronchialkarzinom. Anfang 2005 verstarb sie. Daraufhin verlangte der Filius von der Versicherung die Zahlung der vereinbarten Versicherungssumme von ca. 26.000 €. Die Versicherung jedoch ermittelte und fand dabei heraus, dass die Verstorbene bis zur Diagnose des Lungenkrebses geraucht hatte. Die Versicherung focht daraufhin den Vertrag wegen arglistiger Täuschung an und verweigerte jegliche Zahlung.

Das Landgericht Coburg gab der Assekuranz Recht. Nach der Beweisaufnahme waren die Richter davon überzeugt, dass die verstorbene Mutter die Fragen zum Tabakkonsum falsch beantwortet hatte. Sie habe den behandelnden Ärzten selbst erzählt, eine langjährige Raucherin zu sein. Erst die Hiobsbotschaft, dass sie an Krebs erkrankt sei, habe sie zum Aufhören veranlasst. Die Mutter des Klägers habe sich durch ihre Lüge den günstigeren Nichtrauchertarif verschaffen wollen. Folge: Der bedachte Sohn erhalte von dem Versicherer nichts, da dieser berechtigt den Vertrag angefochten habe.

Fazit: Wer heute noch der Werbung glaubt, Rauchen sei ein Inbegriff von Freiheit und romantischen Abenteuern, dem ist nicht mehr zu helfen. Rauchen führt im Regelfall zum Tod - mittlerweile auf jeder Zigarettenpackung nachzulesen. Wer trotzdem seine Gesundheit durchs Paffen runiniert, darf sich daher nicht wundern, wenn die Versichertengemeinschaft die potentiell höheren Kosten durch seine Last nicht länger tragen will. So gewährt beispielsweise die Versicherungsbranche für Raucher Versicherungsschutz nur mit Aufschlag. Dies allerdings auch nur dann, wenn der Versicherte seinen Tabakkonsum bei Antragstellung einräumt. Ansonsten geht er im Versicherungsfall unter Umständen leer aus, wie dieses Urteil beweist.

6 Reaktionen zu “Falsche Angaben über das Rauchen machen Lebensversicherung unwirksam”

  1. A. Frankiewicz

    Das Argument ist Unsinn, dann müßten Rentenversicherungen für RaucherInnen auch billiger sein. Die Kostenargumentation ist nur vorgeschoben, real geht es um Disziplinarpolitik.

    Siehe:
    http://rauchen.gmxhome.de/zigarettenkirchechomsky/gesundheit.htm

  2. Norbert

    Ich finde es interessant, wie weitreichend mittlerweile alles abgeklärt wird.
    Bei Lebensversicherungen war es mir nämlich gar nicht bekannt, dass selbst solche Faktoren eine wichtige Rolle spielen.
    Ich glaube, bei lebenversicherung.ch habe ich mal etwas Ähnliches gelesen und meiner Meinung nach wird es auch in Zukunft noch detaillierter bezüglich der Angaben, die man machen muss. (In Frage käme vielleicht auch der Sport, den man treibt…?)

    Gruß
    Norbert

  3. Psoidonym

    Und was geschah mit den eingezahlen versicherungs Beiträgen???
    Denn ich bin starker raucher und war es auch schon zum vertragsabschluss meiner lebensversicherung; mein versicherungsvertreter bei dem ich damals sogar zur miete wohnte und mich auch vorher schon gut kannte (Vertauensvoll Blind Unterschrieben) hat mich darüber nicht aufgeklärt jetzt seht in der Police Nichtraucher!

    meine frage also: Hab ich als verbraucher ein recht auf annulierung des Versicherungsvertrags und kann ich dadurch meine eingezahlten beiträge zurück verlangen?????

    MFG xxxx

  4. Markus Oellers

    Hallo Psoidonym,

    die Sache basiert vermutlich auf Provisionsgier des Vermittlers - das kommt leider vor. Aber natürlich sollte man als mündiger Bürger auch den Antrag oder die Police noch einmal durchlesen, bevor man unterschreibt.

    Sie sollten Ihren Versicherer informieren (anrufen) und den Sachverhalt schildern. Vermutlich müssen Sie als Raucher etwas mehr Prämie zahlen, ansonsten kann ich mir vorstellen, das der Vertrag bestehen bleiben kann.

    Beste Grüße und viel Erfolg!

  5. christoph kowarschik

    Hallo,
    was ist wenn ich vor Vertragsabschluß Raucher war und jetzt immer noch regelmäßig Passivrauch ausgesetzt bin. Ist dadurch meine Versicherung ( Nichtrauchertarif) im Fall der Fälle ungültig?

  6. Markus Oellers

    Die Einstufung als Raucher bzw. Nichtraucher ist bei vielen Gesellschaften ähnlich geregelt. Ein Auszug aus Bedingungen: “Nichtraucher ist, wer in den letzen 12 Monaten vor Vertragsabschluss weder Zigaretten noch Zigarren, Pfeife oder sonstigen Tabak unter Feuer konsumiert hat.” oder “Nichtraucher seit mindestens 24 Monaten (keine aktive Aufnahme von Nikotin durch den Genuss von Zigaretten, Zigarren, Zigarillos, Pfeife, Schnupftabak,…)”. Passivrauchen ist daher definitiv zum Nichtraucher zu zählen. Bei manchem Anbieter zählt auch nur der Zigaretten-Konsum zum Rauchen, Zigarre o. ä. bleibt außen vor.

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