Nettopolice oder Vertrag mit Provision?

Die Pflicht des Maklers zur umfassenden Beratung und Betreuung des Kunden ist durch zahlreiche Urteile belegt. Allerdings gilt dies für den Maklervertrag selbst offensichtlich nur eingeschränkt, wie ein bemerkenswertes BGH-Urteil vom 14. Juni 2007 belegt (Az.: III ZR 269/06).

Im konkreten Fall hatte eine Handelsmaklerin einem Kunden eine fondsgebundene Lebensversicherung als so genannte Nettopolice, vermittelt. Bei diesen Policen enthält die Versicherungsprämie den Provisionsanteil für den Vermittler nicht. Die Provision wird separat vom Kunden direkt an den Vermittler entrichtet. Der Kunde unterschrieb deshalb eine vorformulierte “Vermittlungsgebührenvereinbarung”, in der er sich zur Zahlung einer Vermittlungsprovision an die Handelsmaklerin verpflichtete. Mit Versicherungsbeginn bezahlte er also die Versicherungs- und die Maklerprämie, jeweils getrennt.

Kurz darauf kündigte der Kunde die Versicherung, und stellte beide Zahlungen wieder ein. Die Handelsmaklerin forderte nun den Gesamtbetrag der restlichen Vermittlungsprovision von ihrem Kunden. Zu Recht, so der BGH - denn nach ständiger Rechtsprechung ist eine Vereinbarung einer unmittelbar vom Kunden zu zahlenden Maklerprovision bei der Vermittlung eines Lebensversicherungsvertrages mit Nettopolice wirksam. Zudem betreffen die strengen Betreuungs- und Beratungsverpflichtungen des Versicherungsmaklers nur das von ihm zu vermittelnde Versicherungsverhältnis. Versicherungsmakler und Kunde stünden sich jedoch bei der “Vermittlungsgebührenvereinbarung”, wie bei jedem anderen Vertrag, mit entgegengesetzten Interessen selbständig gegenüber. Somit bestehe keine Pflicht einer Partei, den anderen Vertragspartner ungefragt über die Risiken des Vertrages zu unterrichten.

Fazit: Der Nachteil der Honorarberatung: Auch, wenn ich nicht klar komme, zahlen muss ich immer. Dann doch lieber die normale Police und der Vermittler verdient erst, wenn der Kunde auch zufrieden ist! Hier dürfte es sich um eine betriebliche Versicherung gehandelt haben, denn als Makler darf man mit Privatpersonen keine Honorarvereinbarung treffen.

7 Reaktionen zu “Nettopolice oder Vertrag mit Provision?”

  1. Fuer was Gutachten gut sind

    Vielen Dank fuer die Infos, werde mich damit mal auseinandersetzen.

  2. jm

    “als Makler darf man mit Privatpersonen keine Honorarvereinbarung treffen.” - Woraus soll sich das denn ergeben?

  3. Markus Oellers

    Dass man als Versicherungsmakler keine Honorarvereinbarung mit Privatpersonen treffen darf, liegt am Rechtsberatungsgesetz, heute Rechtsdienstleistungsgesetz. Nur ausdrücklich zugelassene Personen dürfen in Deutschland beraten, z. B. Rechtsanwälte oder Versicherungsberater (die dafür aber auch nicht vermitteln dürfen).

    Es gibt eine kleine Ausnahme: Wenn ich nicht berate, sondern nur vermittle (verkaufe), darf ich eine Vermittlungsgebühr (Honorar) verlangen - aber nur, wenn es ein reiner Nettotarif des Versicherers ist, von dem ich als Makler keine Provision/Courtage erhalte!

    Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit dieser Aussage dienen!?

  4. jm

    Ja, denn dann ist dedr Satz “als Makler darf man mit Privatpersonen keine Honorarvereinbarung treffen” in dieser Allgemeinheit schlicht falsch (und Versicherungsvermittlung ist ohnehin generell keine Rechtsberatung). Vgl. hierzu auch nachstehende Quellen:

    http://www.experten.de/NET/epn/757a24fa-0a18-471d-b3a9-129077456423.epnnews

    http://www.fiala.de/rechtsanwalt/veroeffentlichungen/artikel/beitrag/bAV_Rechtlicher_Rahmen_der_Honorarberatung-1.html

    http://www.experten.de/NET/epn/bb3a0062-e327-4437-8fa6-0e55cf2da1c3.epnnews

  5. jm

    … und gerade diese “kleine Ausnahme” ist bei Nettopolicen die Regel - und extrem teuer!

  6. Markus Oellers

    Die angegebenen Beispiele und Links beziehen sich alle auf die bav und sind somit NICHT auf Privatpersonen bezogen (bei der bav ist der Arbeitgeber Versicherungsnehmer, somit kommt kein Vertrag mit einer Privatperson zustande).

  7. DK

    Mal eine Frage in die Runde….
    Ich bin seit 14 Jahren in der Branche und rege mich in regelmäßigen Abständen darüber auf wie dumm manche Menschen sind!
    1.) Ich vertreibe zwar keine Nettopolicen finde es aber absolut richtig das der Kunde die “Provision” vollständig bezahlen muß oder besser gesagt bezahlen sollte, denn “jetzt mit etwas verbaldiarö” was bilden sich so manche Kunden ein.
    Ich arbete als Makler WIRKLICH teilweise Stunden an den richttigen Konzepten für die Altersvorsorge zusammen mit einem Steuerberater und dann meint der Kunde er müßte das nicht bezahlen? Ist doch ne Frechheit!

    2.) Wenn die Provision bezahlt werden müßte, würden heute wesentlich weniger Verträge Storniert werden, da es dann nicht mehr so leicht zu Abwerbungen kommen würde und der Kunde nicht immer und immer wieder von vorne anfangen muß für die AV zu sparen und nicht immer und immer wieder neue Abschlukosten ausgelößt werden.

    Warum sind Versicherungsvermittler, egal ob Makler oder gebunden immer die gearschten, machen unsere arbeit, beraten vernünftig, das muß doch entlohnt werden…..

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